Eigenfett-Transfer / Lipofilling

Lipofilling ist ein Verfahren der autologen Fettgewebstransplantation zur Veränderung von Form, Volumen, Konsistenz und Profil von Gewebe, mit dem Ziel, Körpermerkmale zu rekonstruieren, verjüngen und regenerieren.

Andere Begriffe, diese Methode zu beschreiben, sind Mikrofett-Transplantation, Fett-Transfer, Eigenfett-Transfer, Fettinjektion und Lipomodelling.

Diese Definition klingt zunächst verwirrend. Mit anderen Worten heißt das:

Wir entnehmen Fettgewebe mittels Liposuktion (Fettabsaugung) aus den Fettgewebspolstern, welche Sie eventuell stören. Das entnommene Fett wird hochgereinigt und anschließend an der zu behandelnden Körperstelle wieder zurückinjiziert (eingesprizt).

Ihr körpereigenes Gewebe wird also wiederverwendet, es müssen keine künstlichen Substanzen angewandt werden. Das eingespritzte Fettgewebe wird größtenteils nach einigen Tagen anwachsen und dauerhaft verbleiben.

Damit ist es in vielen Fällen anderen Füllsubstanzen (sogenannten Fillern) wie zum Beispiel Hyaluronsäure deutlich überlegen.

Geschichte des Lipofilling (Eigenfetttransfer)

Trotz der langen Geschichte der Fettransfermethoden hat sich Lipomodelling erst in den letzten 20 Jahren zu einer technisch ausgereiften und sicheren Methode entwickelt.

Die Eigenfetttransplantation wird heute in der Brustchirurgie umfassend eingesetzt. Nach einer ersten Beschreibung der Methode von Czerny in Jahr 1895, wurde sie von anderen zur Brustvergrößerung übernommen (Wredde 1915, Lexer 1917, und Passot 1930). In den 1940er und 1950er Jahren wurde die Brustvergrößerung im Allgemeinen mit Eigentransplantationen von freiem Fett und Dermofett ausgeführt und erforderte en-bloc Gewinnung und Platzierung in offener Operation mit langen Narben im Gewinnungs- und Transplantationsbereich. Die Komplikationsraten waren hoch, mit häufigen Infektionen, Nekrose und großflächiger Resorption des transplantierten Fettes.  Eine Langzeituntersuchung zum weiteren Verlauf nach Freifetttransplantationen in den 1950er Jahren fand in weit über 50% der Fälle Transplantatresorption nach einem Jahr.

Angeregt von der Entwicklung der Liposuktion wurde das Interesse an der Fetttransplantation in den 1980er Jahren erneut entfacht. Daraufhin wurde, in Anbetracht der bis dahin relativ hohen Komplikationsrate, eine systematischere Methode befürwortet, die zu besser vorhersehbaren Ergebnissen führte.

In der Faltenbehandlung ist das Verfahren mittlerweile längst etabliert, es werden langanhaltende und kosmetisch sehr gute Ergebnisse mit Lipofilling im Gesicht erzielt.

Mittlerweile ist das Verfahren auf andere Körperregionen erfolgreich ausgeweitet worden. Ein wesentliches Anwendungsgebiet ist mittlerweile die weibliche Brust geworden.

Mit steigender Nachfrage nach Brustrekonstruktionen und mit einer erhöhten Patientenerwartung nach einem ästhetischen Endergebnis wurde Lipofilling auch in der plastische-chirurgischen Brustchirurgie innerhalb kurzer Zeit populär. Insbesondere hier haben sich die klinischen Indikationen erweitert, da durch die Verlagerung von der Mastektomie (Entfernung der Brust) zur Brusterhaltung plus Strahlentherapie eine Reihe von Defekten durch Lipofilling korrigierbar ist. 

Allerdings gibt es bislang nur wenige kontrollierte Studien zur Effektivität und onkologischen Sicherheit der Methode und ihrem ästhetischen Langzeit-Outcome.

Erfolgreiches Lipofilling hängt von einer technisch sorgfältigen Vorgehensweise ab. Dies bedarf eines umfassenden Trainings des gesamten OP-Teams und einer adäquaten Geräteausstattung. Dies ist am Universitätsklinikum Bonn gewährleistet.

Bei Lipofilling wird nicht einfach Fett aus einem Körperbereich entnommen und in einen anderen Körperbereich injiziert.  Eine erfolgreiche Behandlung hängt im großen Maße von der Methode ab, die bei Fettentnahme, -vorbereitung und -transplantation angewandt wird. Dafür verwenden wir das REVOLVE™ System. Außerdem muss die Ästhetik der Entnahmestelle berücksichtigt werden, nicht nur, um Morbidität und Missbildung zu minimieren, sondern auch, um Kontur und Profil und damit das Erscheinungsbild der verwendeten Stellen zu verbessern. Vor Beginn des Lipofilling muss der Plastische Chirurg ein ästhetisch ansprechendes Ergebnis abschätzen, planen und ausführen können.

Vor der Transplantation wird das Fett mit minimalem Gewebetrauma und dem geringstmöglichen Luftkontakt schonend entnommen. Eine große Menge Fett in vielen kleinen einzelnen Transplantationspartikeln auf mehreren Ebenen zu platzieren beansprucht Zeit; nur ein akribisch genaues und fachkundiges Vorgehen kann sicherstellen, dass die Größe der platzierten Partikel 3 mm nicht übersteigt, um das damit verbundene erhöhte Risiko von Fettgewebsnekrose, Kalzifikation und Ölzystenbildung zu vermeiden und ein optimales Einheilen des Fettgewebes zu ermöglichen.

Möglichkeiten des Eigenfett-Transfers für die Brust:

Brustvergrößerung mit Eigenfett (Natürliche Brustvergrößerung – „aus Bauch wird Brust“)

Korrektur von kosmetisch ungünstigen Formveränderungen nach Brustvergrösserung

Korrektur von Volumenproblemen nach Brustverkleinerung oder Mastopexie

Tarnung/ Kaschieren von Implantat-Rippling (teilweise sicht- oder tastbare Fältelung des Implantats) nach Brustvergrößerung mit Implantaten

Ästhetische Brustverbesserung mit Fetttransfer

Volumenersatz nach Entfernung von Implantaten zur ästhetischen Brustvergrößerung, z.B. bei Kapselfibrose

Tarnung/ Kaschieren einer Kapselkontraktur

Bei fachgerechter Anwendung der Methode scheint es nur minimale Komplikationen zu geben. Akzeptable Komplikationsraten in der derzeitigen kompetenten Anwendung sind in Bezug auf Infektion 0,6-1,1%, auf Kalzifikation 4,9%, und auf Fettgewebsnekrose 3-5, 7-15%.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen der Entnahmestelle:

Schwellung und Hämatombildung

Gefühlstörung

Infektion

Hypertrophe Narbenbildung

Konturunregelmäßigkeiten

Schädigung von darunterliegenden Strukturen