Brustwachstum beim Mann

An einem weiblichen Körper werden sie als ästhetisch empfunden – an einem männlichen Körper hingegen werfen sie in vielen Fällen ein unangenehmes Tabuthema auf: Brüste. Der Fachbegriff für ein weibliches Brustwachstum beim Mann lautet Gynäkomastie. Es kann in unterschiedlichen Formen auftreten und verschiedene Ursachen haben.

Von der Gynäkomastie abzugrenzen ist die Pseudogynäkomastie. Hier ist der Grund für eine auftretende Männerbrust starkes Übergewicht und der Busen besteht lediglich aus Fettgewebe. Mit gesunder Ernährung und Sport kann einer Pseudogynäkomastie bereits erfolgreich entgegen gewirkt werden. Bei Bedarf bietet sich darüber hinaus auch eine Fettabsaugung an. Der Männerbusen bei einer Gynäkomastie hingegen setzt sich zusammen aus einem Überschuss an Drüsengewebe und Fett.

Physiologische Formen der Gynäkomastie

„Der Grund für eine physiologische Gynäkomastie ist ein verändertes Gleichgewicht des Sexualhormonhaushalts. Hierbei steigt der Anteil der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene), der auch im männlichen Organismus vorhanden ist,  gegenüber dem Anteil der männlichen Geschlechtshormone (Testosteron). Auf eine derartige hormonelle Veränderung reagiert das Brustdrüsengewebe extrem sensibel“, erklärt Priv. Doz. Dr. Klaus Walgenbach. Der Prozess, der ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt auslöst, muss allerdings nicht zwingend krankhaft sein, sondern kann in diversen Lebensabschnitten auch natürlichen Ursprungs sein.

Neugeborenengynäkomastie:

Bei männlichen Neugeborenen ist das Auftreten eines kleinen Brustansatzes in den ersten Wochen nach der Geburt recht häufig: 60 Prozent aller Jungen weisen den Ansatz einer Brust nach ihrer Geburt auf, der sich allerdings nach wenigen Wochen bis Monaten zurückbildet. Östrogen wird  durch die Plazenta sowie durch die Muttermilch an das Kind übertragen. Da die Leber des Säuglings das Hormon noch nicht effizient abbauen kann, hat das weibliche Hormon zu Beginn einen Einfluss auf den neugeborenen Körper.

Pubertätsgynäkomastie:

Bei der Pubertätsgynäkomastie kommt es, wie der Name bereits erahnen lässt, speziell im Zeitraum der Pubertät zum Brustwachstum bei Jungen. Auch hier das Wachstum einer Umstellung des Hormonhaushalts geschuldet und weibliche Sexualhormone werden vermehrt gebildet. Im Regelfall bildet sich die Pubertätsgynäkomastie bis zum 20. Lebensjahr zurück. Sollte Drüsengewebe zurückbleiben, kann dieses chirurgisch entfernt werden.

Altersgynäkomastie:

Im Laufe des Alters nimmt bei Männern der Körperanteil an Fett zu, die Testosteronproduktion hingegen nimmt ab. Im Fettgewebe tritt das Enzym Aromatase besonders häufig auf und wandelt Testosteron in Östrogen um. Diese Ausgangssituation, viel Fettgewebe sowie die Arbeit des Enzyms Aromatase, können das Wachstum von Brustdrüsengewebe in den Gang setzten. Die Altersgynäkomastie wird durch Übergewicht begünstigt.

Pathologische Formen der Gynäkomastie

Ein männliches Brustwachstum kann aber auch ein Indiz für einen krankhaften Prozess im Körper sein, der Hormonschwankungen verursacht oder der direkt in der Brust selbst abläuft.

Erbliche Gynäkomastie:

Eine Gynäkomastie kann genetisch bedingt sein. Bereits im Patientengespräch kann ein Arzt Hinweise auf diese Form der Gynäkomastie bekommen, denn ein Männerbusen ist in diesem Fall in der Familie bereits öfter aufgetreten.  Hierbei besteht ein Problem mit der Produktion bzw. Weiterverarbeitung von Hormonen. Beispielsweise lassen Enzyme die Bildung bestimmter Vorstufen des männlichen Hormons nicht zu. Darüber hinaus kann auch das Fehlen eines DNA Abschnitts oder das Vorliegen eines doppelten X-Chromosoms die Ursache für eine erbliche Gynäkomastie sein.

Chronische Erkrankung:

Da die Leber in der Verarbeitung und dem Abbau der Hormone eine relevante Rolle spielt, kann ein durcheinander geratener Hormonhaushalt durchaus Hinweis auf eine Erkrankung der Leber sein, wie z.B. Leberzirrhose. Darüber hinaus kann auch eine Funktionsstörung der Niere (Niereninsuffizienz) eine Gynäkomastie zur Folge haben, da die veränderte Filterfunktion einen Überschuss an Östrogenen begünstigen kann.  Der Verlust von einem oder beiden Hoden, die hauptverantwortlich für die Testosteronproduktion sind, können auch eine Gynäkomastie zur Folge haben.

Medikamente und Drogen:

In häufigen Fällen werden Hormone von außen zugeführt und sorgen für Schwankungen des Hormonhaushalts. Herzmedikamente, Antibiotika oder auch Antidepressiva beeinflussen den Hormonstoffwechsel. Aber auch Drogenkonsum, wie Marihuana, Heroin oder Alkohol, führen nach längerem Missbrauch unter anderem zum Brustwachstum.  Selbst in diversen Haut- und Haarpflegeprodukten treten geringe Mengen an künstlichen weiblichen Hormonen auf, die über die Haut in den Blutkreislauf weitergegeben werden und möglicherweise Auslöser einer Gynäkomastie sein können.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung einer Gynäkomastie fällt entsprechend der Ursache aus. In vielen Fällen handelt es sich nur um ein vorrübergehendes Problem. In der Pubertätsgynäkomastie beispielsweise ist keine Behandlung notwendig. Sollte die Ursache direkt bekannt und behandelbar sein, ist das Behandlungsziel, den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies kann bereits mit einfachen Maßnahmen, wie einer Ernährungsumstellungen oder den Verzicht auf versteckte Östrogenquellen, erreicht werden, in einigen Fällen bedarf es jedoch auch medikamentöser Behandlung, die den Hormonhaushalt interveniert.  Sollte auch eine Medikamententherapie keinen Erfolg haben, kann eine chirurgische Entfernung der Brust in Erwägung gezogen werden. Wenden Sie sich bitte an den plastischen Chirurgen Ihres Vertrauens uns lassen sich beraten.

 

Bildquelle: filadendron / gettyimages