Anatomie der Brust

Wir alle wissen, wie die weibliche Brust von außen aussieht und welche Funktionen sie grundsätzlich hat. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter der Hautschicht? Wie sieht die Brust im Inneren aus und welche Schlüsse ergeben sich daraus für den Alltag und für die Medizin?

Unter der weiblichen Brust werden allgemein die rundlichen Auswölbungen auf dem Brustkorb verstanden. Beim Mann ist der Aufbau der Brust im Grundsatz gleich, jedoch ist die männliche Brust im Gegensatz zur weiblichen nicht vollständig entwickelt. Befindlich auf dem Brustmuskel besteht die weibliche Brust aus einem Drüsenkörper, welcher durch eine Fettschicht umgeben ist und geschützt wird. Unterstützt wird dieses Fettgewebe durch Bindegewebe, Muskeln befinden sich im eigentlichen Brustkörper jedoch nicht. Die Form der jeweiligen Brustkörper kann sich unterscheiden und verändert sich im Verlauf des Lebens ganz natürlich durch das Alter und andere Faktoren wie Schwangerschaften, aber auch die Ernährung.

Im Inneren der Brust sind vor allem Blutgefäße und Nervenbahnen von zentraler Bedeutung. Allerdings spielt auch das Lymphsystem eine große Rolle, da es durch seine zahlreichen Drüsen Krankheitserreger aus der Brust abtransportiert. Die wichtigsten Lymphknoten für die Brust befinden sich jedoch in der Achselhöhle. Sollten sich hier also Druckbeschwerden oder gar Schmerzen entwickeln, ist ein Besuch beim Facharzt ratsam.

Funktionen der Brust

Bereits angesprochen, befindet sich in der Brust ein Drüsenkörper, der neben dem Fettgewebe den größten und zugleich wichtigsten Teil der Brust ausmacht. Funktion des Drüsenkörpers ist es nämlich, Milch zu produzieren und diese über die Milchgänge zur Brustwarze zu transportieren. Dort wird sie dann von Neugeborenen und Säuglingen zur Nahrungsaufnahme abgeholt.

Die Milchdrüse verfügt dabei über mehrere Drüsenläppchen, die im Fettgewebe der Brust eingebettet sind und so vor Beschädigungen geschützt sind. Die Milchgänge befinden sich am äußeren Ende der Läppchen in Richtung Brustwarze. Ein so genanntes Milchsäcken am anderen Ende der Milchgänge übernimmt die Pumpfunktion beim Stillen und versorgt somit die Säuglinge.

Allgemeine Probleme der Brust

Aber wie bei jedem anderen Körperteil gibt es auch bei der Brust Probleme, die mal mehr, mal weniger gravierend sein können. Neben dem grundsätzlichen Risiko von Brustkrebs oder gutartigen Tumoren existiert etwa auch die Möglichkeit einer Entzündung der Brustdrüse, die so genannte Mastitis. Häufig treten derartige Entzündungen kurz nach der Geburt eines Kindes auf, mit einem bakteriellen Ursprung aber auch außerhalb dieser Phase. In den Wechseljahren ist eine Mastitis eher selten.

Wortwörtlich regelmäßig tritt allerdings die Mastodynie in Erscheinung, der zyklusabhängige Brustschmerz. Dabei entstehen vor allem vor der Regelblutung Schmerzen im Brustbereich. Frauen ab 30 leiden häufiger unter einer Mastodynie, während auch hier ein Vorkommen in den Wechseljahren ungewöhnlich ist.

Ein besonderer Fall

Aktuell macht ein außergewöhnlicher Fall aus Österreich Schlagzeilen. Eine Frau Ende zwanzig liegt im Kreißsaal und erwartet ihr zweites Kind. Bei der Geburt kommt es zu unangenehmen, wenn auch normalen Problemen, unter anderem einem Dammriss. Einige Tage nach der Entbindung klagt die 29-Jährige jedoch über starke Schmerzen im Intimbereich. Sowohl sie als auch die Ärzte entdecken eine ungewöhnliche Schwellung, die Mediziner entscheiden sich zu einer Öffnung der Stelle. Jedoch kam nicht der vermutete Eiter zum Vorschein, sondern lediglich eine große Menge Blut.

Was war passiert? Als die Patientin kurze Zeit später in einer Fachklinik angekommen war, hatte sich die Schwellung bereits ausgedehnt, und die Ärzte gingen weiterhin von einer Infektion aus. Verwunderlich war außerdem, dass von beiden Seiten der Vulva eine milchige Flüssigkeit austrat. Eine Untersuchung der Flüssigkeit brachte zum Vorschein, dass es sich dabei um Muttermilch handelte. Die Schwellung war demnach ein Milchstau in milchdrüsenartigem Gewebe, welches sich an einer falschen Stelle im Körper abgelagert hatte.

Im Laufe der Embryonalentwicklung eines Menschen entwickelt sich, wie bei anderen Säugetieren auch, eine Milchleiste, welche von den Achselhöhlen bis zu den Oberschenkeln reicht. Der Mensch benötigt allerdings nur zwei Brüste, weshalb sich der Großteil der Milchleiste wieder zurückbildet. Bei diesem Prozess kann es jedoch zu Fehlern kommen, sodass sich Gewebe quasi „verirrt“ und an Stellen im Körper ablagert, an denen es nicht zu suchen hat.

Während einer Schwangerschaft wird das Milchdrüsengewebe nun aktiv und verursacht unter Umständen Probleme wie bei der Österreicherin. Außerdem kommt mit dem falsch angelagerten Brustgewebe auch ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. So könnte es im angesprochenen Fall zu der abnormen Situation von Brustkrebs an der Vulva kommen.

Es lässt sich also festhalten, dass die weibliche Brust wesentlich komplexer ist als man vielleicht vermuten möchte. Die vielen Gewebearten verbinden sich in der Brust zu einem einzigartigen Apparat, der auch Probleme mit sich bringen kann. Daher ist eine enge Absprache mit Fachärzten vor Eingriffen in die Brust oder Ähnlichem überaus wichtig.

Quellen:

https://www.freenet.de/lifestyle/liebe-und-partnerschaft/obenohne-so-sehen-brueste-unter-der-haut-aus_7248054_4743240.html

https://www.roche.de/pharma/onkologie/brustkrebs/die-brust/anatomie-der-brust.html

https://www.netdoktor.de/anatomie/brust/

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/eine-raetselhafte-patientin-der-geschmack-von-muttermilch-a-1274066.html

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